Wettbewerb Teilgebiet C 'tutto bene' Thurgauerstrasse
Standort:

Zürich

Nutzung:

Gewerbe, Wohnen

Aufgabe:

Analyse, Konzept

Auftrag:

Wettbewerb

Landschaftsarchitektur:

Planikum

Holzbau:

IHT

Nachhaltigkeitsaspekte:

Encira

Jahr:

2025

Ausgangslage

Das Gesamtareal an der Thurgauerstrasse in Zürich-Seebach soll zu einem vielfältigen, nachhaltigen und gemeinnützig geprägten Stadtquartier weiterentwickelt werden. Ziel ist die Realisierung von preisgünstigem Wohnraum, ergänzenden Gewerbeflächen sowie eines öffentlich zugänglichen Quartierparks. Bestehende und bereits entschiedene Nutzungen wie ein Gesundheitszentrum, Alterswohnen und die Schulanlage sind in die Gesamtentwicklung zu integrieren. Die Arealentwicklung folgt dem kommunalen «Drittelziel» und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum. Das rund 65’000m² grosse Areal weist heute eine heterogene Nutzung mit Familiengärten, Wohnhäusern, einer Gärtnerei sowie dem Haus Seebach auf. Das Areal liegt im östlichen Teil von Seebach entlang der bedeutenden Stadtachse Thurgauerstrasse. Diese ist geprägt durch eine vierspurige Verkehrsführung, ein begrüntes Tramtrassee und mehrere Baumreihen. Das Gebiet bildet eine Scharnierzone zwischen der stark verdichteten Zentrumszone im Osten und dem kleinteiligen Wohnquartier Grubenacker im Westen. Diese Übergangssituation ist im städtebaulichen Konzept sensibel zu bearbeiten.

Tutto bene – eine gemeinschaftliche Stadtoase

Die bestehenden Schrebergärten erzählen von Nachbarschaft, Eigeninitiative und Vielfalt. Zwischen Blumenbeeten, Tomatenstauden und kleinen Gartenhäusern entstehen Orte der Begegnung, aber auch kleine Rückzugsräume. Breite Wege verbinden das Ganze, während schmale Pfade oft nur zum nächsten Garten führen. Diese Mischung aus Grosszügigkeit und Intimität, aus Struktur und Improvisation, prägt die besondere Atmosphäre des Ortes. Das neue Areal nimmt diese Stimmung auf und führt sie weiter. Ein Netz aus grossen und kleinen Durchwegungen schafft Offenheit und Nähe zugleich. Auf den verschiedenen Ebenen der Dachlandschaften entstehen neue Gärten, Orte des Austauschs, der Ruhe und der Gemeinschaft. So entsteht ein lebendiges Stück Stadt, das die Vielfalt feiert, unterschiedliche Lebensweisen zusammenbringt, kulturellen Austausch fördert und zugleich eine starke Identifikation ermöglicht. Ein Ort, an dem man gerne verweilt und der das Gefühl vermittelt: tutto bene.

Ziel
Das Projekt tutto bene betrachtet das Thema Kreislauffähigkeit aus verschiedensten Perspektiven. Es greift Aspekte von sozialer, ökologischer und ökonomischer Kreislauffähigkeiten auf und verwebt sie miteinander zu einem runden Ensemble.

Stoffkreislauf
Das Areal funktioniert als Schwammstadt mit Regenwassermanagement und Grauwassernutzung. Durch Verdunstung und Begrünung werden Hitzeinseln reduziert und das Mikroklima verbessert. Nährstoffe und organische Abfälle fliessen über eine dezentrale Kompostierung zurück in die Dachgärten, sodass ein geschlossener Stoffkreislauf entsteht und die Prinzipien des Kreislaufareals sichtbar werden.

Umgebung

Die Geschichte des Areals als Schrebergarten prägt das Projekt: Vielfalt, Unterschiedlichkeit und kleinteilige Strukturen werden in die neue Dachlandschaft übertragen. Diese spiegelt die Diversität wider, verstärkt die Wohnungsvielfalt und schafft Räume für Urban Gardening, Biodiversität und gemeinschaftliche Nutzungen. Freiräume im Erdgeschoss und auf den Dächern fördern das Miteinander und wirken als grüne Lunge in der Stadt.

Energie
Das Energiekonzept für Teilgebiet C basiert primär auf dem Anschluss an das Fernwärmenetz, das Heizung und Warmwasser sicherstellt und künftig auch Kälte liefern könnte. Ergänzend sind Erdsonden vorgesehen, die als Hybridlösung Free Cooling im Sommer ermöglichen, das Erdreich regenerieren und optional die Grundlast im Winter übernehmen. Fernwärme deckt die Spitzenlast. Durch Photovoltaik und ein integrales Energiemanagement entsteht ein vernetztes Areal, in dem sich die Gebäude energetisch gegenseitig unterstützen und Synergien genutzt werden können.

Materialkreislauf
Die Tragstruktur ist als Holzkonstruktion ausgebildet: nach aussenlaufende Doppelträger liegen auf innenliegenden Holzstützen auf. Die äusseren Stützen sind aus Witterungs- und Brandschutzgründen als ausbetonierte Stahlprofile ausgeführt. Aussteifungen erfolgen über Windverbände in der äussersten Schicht. Das Tragwerk ermöglicht auch nach dem Bau flexible Grundrissausbildungen, ist beliebig erweiterbar und lässt sich einfach rückbauen. Die Fassade aus Trapezblech sowie die Absturzsicherungen der Laubengänge bestehen aus wiederverwendeten Bauteilen des Juch-Areals.

Organisation
Zentrale Gemeinschaftsflächen und geteilte Infrastrukturen fördern Austausch und Solidarität innerhalb der Gebäude. Sharing-Modelle wie gemeinschaftlich genutzte Küchen, Arbeits- oder Aufenthaltsräume reduzieren den Ressourcenverbrauch und schaffen soziale Nähe. Flexible Dienste und eine offene Raumorganisation ermöglichen eine vielfältige Nutzung und stärken die Gemeinschaft im Alltag. Die von Wegen durchwachsene Struktur der bestehenden Schrebergartensiedlung wird schematisch aufgenommen und auf die Architektur übertragen: es entstehen zwei durchlässige Gebäude, die in der Horizontalen und der Vertikalen Verbindungen schaffen und Begegnungen zwischen den Bewohnern fördern.

Nahrung
Auf den Dachflächen entstehen urbane Anbauzonen, die mit einer integrierten Kompostierung versorgt werden. So schliesst sich ein lokaler Nährstoffkreislauf. Ein Food-Cluster mit solidarischer Landwirtschaft, Food-Coop und Gemeinschaftsküchen stärkt zudem die nachhaltige Nahversorgung.

Mobilität
Auf dem Areal "tutto bene" lohnt es sich, zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs zu sein. Längs- und Querwege verbinden die Nachbarschaften direkt mit den Tramstationen und schaffen kurze Distanzen. Entlang der grünen Achse lädt das Areal zum Velofahren ein, mit Service- und Sharingstationen im C4. Autos werden im nahegelegenen Airgate untergebracht, während im C2 Tiefgarage Parkplätze für mobilitätseingeschränkte Personen und ein Carsharing-Angebot zur Verfügung stehen.