Schenkon LU
Wohnen, Gewerbe & Büro
Richtprojekt & Gestaltungsplan
2016
Bösch Landschaftsarchitekten
Hansueli Remund
Das Gebiet Zellfeld-Tenniscenter liegt im Zentrum von Schenkon und bildet aufgrund seiner Lage zwischen Wohnquartieren, Gewerbe, Sportanlagen, Schulhaus, Park und Waldrand ein bedeutendes Entwicklungspotenzial der Gemeinde. Ziel des Richtprojekts war es, aus sechs eigenständigen Parzellen unterschiedlicher Eigentümerschaften ein zusammenhängendes Quartier zu entwickeln, das trotz verschiedener Bauherrschaften und Realisierungsetappen als räumliche Einheit wahrgenommen wird.
Städtebau
Eine dichtere Bebauung erforderte ein gesamtheitliches Konzept, das die Entwicklung aller sechs Parzellen zusammenführt. Das Richtprojekt ging aus einem Testplanungsverfahren hervor und wurde gemeinsam von den sechs Grundeigentümerschaften, der Gemeinde sowie den zuständigen Fachstellen entwickelt. Die besondere Herausforderung bestand darin, unterschiedliche Eigentumsverhältnisse, individuelle Interessen und verschiedene Realisierungshorizonte in eine langfristige Gesamtstrategie zu überführen. Während einzelne Baufelder kurzfristig realisiert werden können, ist die Entwicklung des gesamten Quartiers auf einen Zeitraum von rund fünfzehn Jahren ausgelegt.
Grundlage dafür war eine Neuordnung der Grundstücke. Durch einen flächengleichen Landabtausch konnten die Parzellengrenzen optimiert werden, ohne dass Land verkauft werden musste. Erst dadurch wurde eine schlüssige Setzung der Baukörper sowie eine langfristig funktionierende Entwicklung des gesamten Areals möglich.
Im Zuge der Planung wurde die Ausnutzung des Areals nahezu verdoppelt. Anstelle einer gleichmässigen Verdichtung reagiert das Konzept differenziert auf seine Umgebung. Die Gebäude nehmen die Stossrichtungen der angrenzenden Bebauung auf und vermitteln zwischen den unterschiedlichen städtebaulichen Typologien. Das Konzept bezieht sich auf die Gewerbebauten im Norden, die Wohn- und Gewerbebauten entlang der Münsterstrasse, das kleinteilige Einfamilienhausquartier im Osten sowie das Wohnquartier Zellfeldpark im Westen. Auf diese unterschiedlichen Situationen antwortet das Projekt mit vier verwandten Bautypen.
Die Gebäude bestehen jeweils aus einem vier- und einem sechsgeschossigen Gebäudeteil. Während die niedrigeren Volumen Rücksicht auf die bestehende Nachbarschaft nehmen, ermöglichen die höheren Gebäudeteile die gewünschte Verdichtung. Durch Gebäudeknicke, versetzte Baukörper und eine differenzierte Fassadengliederung wird die Grossmassstäblichkeit der Bebauung gebrochen und in eine dem Ort angemessene Körnung übersetzt. Die Positionierung der Gebäude wurde zudem hinsichtlich der Lärmsituation optimiert und schafft geschützte Vorgärten sowie hochwertige Aussenräume.
Die Quartierentwicklung umfasst neben den Baufeldern auch die öffentliche Infrastruktur. Gemeinsam mit Gemeinde, Kanton, Schule und weiteren Beteiligten wurde die Erschliessung des Areals neu organisiert. Durch die Verlegung des Velowegs und die Anpassung der Bushaltestelle konnte die Sicherheit des Schulwegs wesentlich verbessert werden. Gleichzeitig stärkt die neue Wegeführung die Vernetzung des Quartiers mit seiner Umgebung und ordnet einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der vier umliegenden Dörfer neu.
Im Zentrum des Quartiers ist ein gemeinschaftlich genutzter Begegnungsort vorgesehen. Halböffentliche Nutzungen wie eine Kindertagesstätte schaffen einen Treffpunkt für Bewohnende und Nachbarschaft und stärken den sozialen Zusammenhalt über die einzelnen Baufelder hinaus. Damit erhält das etappenweise entstehende Quartier bereits früh einen identitätsstiftenden Mittelpunkt.
Auf Grundlage des Richtprojekts entstehen rund 121 Wohneinheiten sowie rund 870 m² Büro- und Gewerbeflächen. Die Gebäude sind als Zwei- und Dreispänner konzipiert und bieten mit 2.5, 3.5-, 4.5- und 5.5-Zimmerwohnungen sowie Clusterwohnungen ein breites Wohnungsangebot. Jeder Wohnung ist ein privater Aussenraum in Form einer nach Süden oder Südwesten orientierten Loggia zugeordnet.
Architektur
Um trotz unterschiedlicher Bauherrschaften und zeitlich versetzter Realisierung eine zusammenhängende Quartieridentität zu gewährleisten, wurde ein Bauteile- und Materialkatalog entwickelt. Dieser definiert die gestalterischen Prinzipien für den Einsatz der Materialien und schafft einen verbindenden Rahmen, ohne die einzelnen Bauetappen gestalterisch einzuschränken. Das bereits realisierte erste Gebäude dient als Referenz für die Anwendung dieses Materialkonzepts. Für Balkone, Loggien und Fassadenelemente wird jeweils eines der Materialien prägend eingesetzt, während die übrigen definierten Materialien die Gebäudehülle ausbilden.
Die Fassaden werden mit stehenden Lochfenstern und Loggien gegliedert. Geschossübergreifende Fensterbänder und die Zusammenfassung einzelner Geschosse brechen die Gebäudehöhe optisch und verleihen den Baukörpern eine feinere Massstäblichkeit. Unterschiedliche Materialkombinationen innerhalb der Fassadenabschnitte verstärken diese Gliederung und erzeugen ein differenziertes Erscheinungsbild. Auf den viergeschossigen Gebäudeteilen entstehen begrünte Dachgärten mit Pergolen, kleinen Lauben und flexibel nutzbaren Aufenthaltsbereichen als zusätzliche gemeinschaftliche Freiräume.
Freiraum
Dem auf Integration und Kontinuität ausgerichteten Städtebau folgend, bildet das Freiraumkonzept eine schlüssige Ergänzung der bestehenden Siedlungsstruktur. Gebäude, Wege und Nutzungsflächen liegen eingebettet in eine durchgehende Landschaft aus Wiesen, Gehölzen und unterschiedlich nutzbaren Freiräumen. Die vorhandene Obstwiese sowie die angrenzenden Grünräume dienen dabei als Ausgangspunkt für eine Freiraumgestaltung, welche die Nähe zur Kultur- und Naturlandschaft auch innerhalb des verdichteten Quartiers erlebbar macht.
Die bestehenden öffentlichen Fusswege bleiben erhalten und werden zu einem feinmaschigen Wegenetz erweitert, das das Quartier mit seiner Umgebung verbindet und die soziale Durchlässigkeit fördert. Spiel- und Aufenthaltsbereiche liegen an den Kreuzungspunkten dieser Wege und schaffen wohnungsnahe Treffpunkte für alle Generationen. Privat nutzbare Aussenräume werden durch naturnahe Wildsträucher vom gemeinschaftlichen Grün abgegrenzt, während unterschiedliche Gehölztypen die verschiedenen Freiraumtypen lesbar machen und ihre Einbindung in die umgebende Landschaft stärken.