Zürich Altstetten
Wohnen
Analyse, Konzept
Wettbewerb
gemeinschaftlich, integer
2.Runde
Cyclus
B3
3D Bauphysik Huth
Das Quartier Altstetten in Zürich befindet sich in einer umfassenden städtebaulichen Transformation. Auch die Baugenossenschaft Halde hat in den vergangenen Jahren einen grossen Teil ihrer Siedlungen neu ausgerichtet. Mit der Siedlung Ernst Zöbeli wird dieser Prozess fortgeführt und ergänzt. Das Projekt 'Ursula & Noah' entwickelt die genossenschaftlichen Werte in einem neuen räumlichen Konzept weiter.
Das Areal ist durch unterschiedliche städtebauliche Typologien geprägt, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Im Südosten befindet sich die Überbauung «Im Stückler», eine grossmassstäbliche Struktur, die den Auftakt der Transformation markiert. Auf dem Areal gruppieren sich drei windradartige Wohntürme. Nördlich und westlich wird der städtebauliche Kontext von kleinteiliger Einfamilienhausbebauung bestimmt. Das Konzept 'Ursula & Noah' verfolgt das Ziel, mit einer neuen Volumetrie zwischen den unterschiedlichen Quartieren zu vermitteln, eine Einheit mit der Siedlung «Im Stückler» zu bilden und gleichzeitig eine hohe Eigenständigkeit zu bewahren.
Das Projekt besteht aus zwei Gebäudezeilen, deren Charakter sich jeweils deutlich unterscheidet. Nach aussen, zum Strassenraum hin, treten die Zeilen urban in Erscheinung. Nach innen verändert sich der Ausdruck und tritt in einen Dialog mit der Parklandschaft.
Materialisierung und Re-Use-Konzept
Das Re-Use-Konzept des Entwurfs basiert auf der Weiterverwendung vorhandener Bauteile der rückgebauten Bestandsgebäude. Die bestehenden Balkontürme werden erhalten und in den Neubau integriert. Die Fensterscheiben des Altbaus finden in einer Pfosten-Riegel-Konstruktion erneut Verwendung und markieren die transparenten Eingangsbereiche. Zudem werden die vorhandenen Dachziegel aufgearbeitet und als Fassadenbekleidung eingesetzt. Durch diese gezielte Wiederverwendung entsteht ein Ersatzneubau, der Ressourcen schont und die materielle Geschichte des Ortes sichtbar weiterführt. Das Farb- und Materialkonzept basiert auf robusten, langlebigen und möglichst rohen Materialien, die eine natürliche Patina entwickeln und mit minimalem Unterhalt auskommen. Durch Wiederverwendung, natürliche Patinierung und eine zurückhaltende Farbgestaltung wird der nachhaltige Charakter der genossenschaftlichen Wohnanlage gestärkt und sie wird im Kontext des Bestands verankert.
Erschliessung und Quartieranbindung
Alle bestehenden Wegbeziehungen und Quartieranbindungen werden erhalten und wo sinnvoll erweitert. Die neue organische Wegstruktur knüpft im Osten direkt an den Zugangsbereich der Siedlung «Im Stückler» an und bindet die beiden Areale zu einem parkartigen Ensemble zusammen. Damit sich die städtische Strassenparzelle optimal in die Wegstruktur der Parkanlage integriert, wird ihre Geometrie leicht angepasst und der gesamte Abschnitt zu einer Begegnungszone umgestaltet. Dank zwei Durchlässen im Erdgeschoss der beiden Gebäudezeilen werden vielfältige Wegbeziehungen ermöglicht und ein attraktives Rundwegnetz innerhalb des Areals geknüpft.
Aufenthalt und Spiel
Der Freiraum ist generell als gemeinsam nutzbarer Raum für die ganze Siedlung konzipiert und bietet unterschiedlichen Altersgruppen Raum für Aufenthalt, Begegnung und Spiel. Insgesamt bieten fünf spezifische Freiräume mit unterschiedlich grossen Spiel- und Gemeinschaftsplätzen und einem grosszügigen
Rasenspielfeld vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Zudem bieten das Wegnetz und die darin enthaltene Begegnungszone viel Potenzial für aktive Bewegungsarten wie Spazieren, Velofahren, Rollschuhfahren etc. Auch die naturnah gestalteten Grünflächen sind als Naturerlebnisräume gedacht und können für die Bewohner der Siedlung als Spiel- und Rückzugsfläche dienen. Den Erdgeschosswohnungen können kleine, private Aussensitzplätze zugewiesen werden, respektive Flächen zur Verfügung gestellt, die durch locker eingestreute Sträucher informell vom gemeinschaftlichen Bereich abgegrenzt bleiben.
Naturwerte und Entwässerung
Ein Grossteil der mittel- und langfristig erhaltensfähigen Bäume kann erhalten bleiben. Der angestrebte Vegetationscharakter des neuen Areals orientiert sich deshalb am bestehenden Baumbestand und wird mit parktypischen, vorwiegend einheimischen Gehölzen wie Zitterpappeln, Birken, Föhren, Eichen, Linden und Ahorne ergänzt. Zu den Gehölzen gesellen sich naturnahe Wildstaudenbereiche, Wiesenflächen und das Zulassen von Spontanvegetation innerhalb der Kiesflächen. Mit den grossen Plätzen aus Kies und den ökologisch wertvollen Grünflächen bleibt der Anteil an unversiegelter Fläche insgesamt sehr hoch. Innerhalb der Belagsflächen wird das anfallende Oberflächenwasser über die Schulter entwässert und via Grünflächen der Versickerung zugeführt. Wo notwendig und sinnvoll können zusätzliche kleine Retentionsvolumen innerhalb der Grünflächen die Abflussspitzen brechen.