Wohnen in den
Brunnenwiesen
Ausgangslage
In Folge des Brandes im Dachstuhl eines Gebäudes der Wohnsiedlung Brunnenwiesenstrasse in Neuhausen am Rheinfall wurde die Entscheidung zur umfassenden Sanierung und dem zeitgemässen Umbau aller drei Bestandsgebäude gefällt. Die Grundrisse der Wohnungen in den drei 50er - Jahre Bauten sind kleinteilig und verschachtelt angelegt, die Fenster in Lochöffnungen ausgeführt und die Balkone relativ klein und schmal gehalten. Das Dachgeschoss im Bestand beherbergt neben einer Wohnung auch noch Abstellräume für das ganze Gebäude. In den Mehrfamilienhäusern sind bereits Aufzüge vorhanden, allerdings enden diese auf den Zwischenpodesten der Treppen und sind somit nicht barrierefrei.
Auftraggeber:
Bau- und Wohngenossenschaft Rhenania
Fachplaner/ Beteiligte:
Objektfotografien: Bürobureau / Michael Rainer
Prozessfotografien: Dost Architektur
Zielgruppe:
Durchmischte Mieterschaft
Nutzung:
Wohnsiedlung
Fertigstellung:
2024
Kennwerte:
Gebäudevolumen: 11´700 m3
Grundstücksfläche: 2548 m2
Auszeichnungen:
Callwey Wohnbauten des Jahres 2025
BLT Built Design Awards 2024 Winner
Zielsetzung Etappenbau
Sanieren im Bestand,
wertschöpfend und sozial
Als erste Etappe wird die Totalsanierung der Bauten aus den 50er - Jahren an der Brunnenwiesenstrasse in Neuhausen am Rheinfall vorgenommen. Das Agieren im Bestand und die Förderung von lokalen Gewerbeakteuren sind prägende Motive des Projektes. Ebenso entscheidend ist der Fokus auf einer zirkulären Wertschöpfungskette durch die Wiederverwertung der Tragstruktur und regionalen Materialien in der Materialisierung.
Die sozial ebenso wie baulich nachhaltige Sanierung der Gebäude, sowie der Neubau einer Tiefgarage erfolgen in drei Bauphasen, in denen ein Teil der Gebäude bewohnt bleibt. Das Verhindert eine komplette Entmietung und berücksichtigt die Bedürfnisse der Bewohner:innen, wodurch diese selbst direkt von der Aufwertung der Liegenschaft profitieren können.
Ursprüngliche
Werte erkennen
Die Grundrisse werden neu arrangiert und auf den heutigen Standard gebracht. Eine weitere entscheidende Massnahme dabei ist die Absenkung des Innenhofs auf das Niveau des Untergeschosses, wodurch dieser zur neuen Adressierung des Wohnquartiers gemacht wird. Der neu entstandene Eingangsbereich der Gebäude wird im Zuge des Umbaus damit den Bewohner:innen zurückgegeben, indem er in das Untergeschoss verlegt und mit einem Gemeinschaftsraum verbunden wird.
Die orthogonale Anordnung der Gebäude auf dem Areal zentriert sich zum Innenhof hin, was durch die neuen, grosszügigen Balkone verstärkt wird. Die Aufenthaltsqualität des Innenhofs wird grundlegend aufgewertet, es entsteht ein gemeinschaftlich genutzten Aussenraum.
Architektonische Strategie
Um barrierefreie Zugänglichkeit und Erschliessung zu ermöglichen, werden die Aufzüge wird in das Innere des Gebäudes gesetzt und auf alle Etagen erweitert. Durch den Bau einer Tiefgarage tritt das Auto in den Hintergrund. Der Fokus im Eingangsgeschoss und dem Aussenraum liegt auf den neu gewonnenen Freiraum der Aufenthaltsbereiche und deren räumlicher Qualität für die Bewohner:innen.
Strukturelle Erneuerung
für heutige Standards
Der Einsatz bodentiefer Fenster bricht die Fassadenansicht auf und schafft eine Grosszügigkeit im Innenraum. Bei der Materialität liegt der Fokus auf authentischen, hochwertigen und langlebigen Materialien. In der Fassadengestaltung kommen Faserzementplatten in Kombination mit Weisstannenleisten zum Einsatz.
Die Anordnung der Materialien sorgt für eine visuelle Trennung der Geschosse, wobei die Platten einen Streifen auf der Höhe der Böden bilden der sich über die Balkonschicht fortsetzt und diese abschliesst. Die Faserzementplatten dienen dabei nicht nur als gestalterisches Element, sondern auch als Brandschutzmassnahme.
Durch strukturelle Änderungen der Grundrisse wird in den Bestandsgebäuden der Wohnsiedlung Brunnenwiesenstrasse moderner Wohnraum geschaffen. Gezielte Eingriffe in den Bereichen der Statik, des Schallschutzes sowie des Brandschutzes ermöglichen ein Angleichen der vorhandenen Gebäudestrukturen an heutige Standards.
Die Fassaden zum Innenhof werden komplett erneuert und mit einer durchgehenden Balkonschicht ergänzt. Im Zusammenspiel mit dem Fokus auf eine gemeinsame Adressierung über den Innenhof verleiht dies der Siedlung einen neuen, gemeinschaftlichen Charakter.
Resultat
Neue Begegnungsräume
im vertrauten Gefüge
Der bestehende Bau wurde nicht abgerissen, sondern weitestmöglich erhalten und erweitert. Die Anordnung der Gebäude wurde somit beibehalten aber der Platz vor den Gebäuden durch eine Tiefgarage und die Balkonanlage aufgewertet zu einem Treffpunkt für soziale Interaktion innerhalb der Wohnsiedlung aber auch im Kontext des Quartiers.
Die Erschliessungsachsen wurden zum Hof hin verdichtet. Im ursprünglichen Kellergeschoss mit ein paar Garagen konnten durch das Schaffen eines Hochparterre Geschosses wertvollen Gemeinschaftsräume eingebaut werden.
Wohnungstypologien
Wohnsiedlung im Wandel:
Optimierte Flächen,
flexible Grundrisse
Den Bestand und seine Qualitäten erkennen und mit den Werten von heute zu einem Ganzen vereinen, die Wohnsiedlung im Wandel des städtebaulichen Kontext von Neuhausen wahrnehmen und ihr eine neue Identität zu geben. Der Brand in den über 70 jährigen Gebäuden bot die Möglichkeit die Gebäude komplett zu sanieren und umzubauen.
Der Entwurf zielt darauf ab, den bestehenden Wohnraum zu modernisieren und durch Grosszügigkeit Verschachtelungen aufzubrechen. Dazu werden die Grundrisse neu arrangiert, während qualitativer Bestand, wo möglich, erhalten und auf den heutigen Standard angeglichen wird. Durch die effektive Umstrukturierung innerhalb der Gebäude gelingt es, mehr Wohnungen auf derselben Fläche anzuordnen. Die Umstrukturierung der Grundrisse legt Küche, Esszimmer und Wohnbereich zusammen und lässt die Bereiche durch den Einsatz bodentiefer Fenster grosszügiger und offener wirken. Eine Schiebewand ermöglicht Flexibilität, sodass bei Bedarf das Schlafzimmer dem Wohnraum zugeschalten werden kann. Die Flexibilität schafft eine neue Basis für die soziodemografische Durchmischung der Siedlung.